Stadtteilchronik 1985 – 1986

1985

Es stinkt
Zu einer Podiumsdiskussion werden die Firmen Cebal, Mehnert & Veeck, Alcan, Nüral und Vertreter der Müllverbrennungsanlage eingeladen. Die Aluminium- und Lackfirmen belästigen die Bürger mit ihrem Gestank bereits seit langem. Schweinau wird zur Giftküche.

Gedankenlose Planung – Omnibusbetriebshof
Bei der Bürgerversammlung des Bürgervereins am 19. April wird die direkte Zufahrt von der Nopitschstraße zum Omnibusbetriebshof gefordert, um die Anwohner der Jäckel- und Robert-Bosch-Straße von den Belästigungen durch die Busse zu verschonen. Gedankenlos geplant zu Gunsten der Firma Schulte & Schmidt.

Bürgerverein wird gemeinnützig
Endlich sind die Spenden und Beiträge an den Bürgerverein St. Leonhard Schweinau e.V. abzugsfähig, das heißt: Spenden und Beiträge können als Sonderausgaben beim Lohnsteuerjahresausgleich oder bei der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden.

Sanierung in Leonhard-Ost
Am 13. März wird durch einen Stadtratsbeschluss St. Leonhard-Ost als “Sanierungsgebiet” (im vereinfachten Verfahren) festgelegt und der Antrag auf Förderung gestellt. Ein Straßenfest, an dem sich auch der Bürgerverein beteiligt, bringt Spaß und Information.

Ortstermin: CEBAL
Bei einer Betriebsbesichtigung der Firma Cebal durch den Bürgerverein kommt es an den Tag: Lösungsmittelemissionen werden ohne Filterung direkt ins Freie geblasen. Cebal macht sich selbst zum “Dauerbrenner”.

Angst vor der “Neuen Heimat”
Der gewerkschaftseigene Konzern will seinen Wohnbesitz in der Friesen-, Arend-, Turnerheim-, und Ambergerstraße abstoßen. Eine am 11.11. neubegründete Mieterinitiative Schweinau lädt zu einer Protestversammlung ein. Was bleibt: Angst! Und Hoffnung!

Elisenstraße 23 – Ein Baudenkmal wird gerettet
Das Grundstück Elisenstraße 23 war für eine füngeschossige Bebauung eingeplant. Aufgrundder Initiative des Bürgervereins mit Unterstützung der Anwohner, der Altstadtfreunde, der Lokalpresse und vielen interessierten Bürgern wurde vor 2 Jahren (1983) eine Änderung des Straßenplans vom Stadtrat beschlossen. Am 11. April 1985 wird uns der Erhalt des denkmalgeschützten Hauses zugesichert. Im September beginnt der neue Besitzer mitden Renovierungsarbeiten.

Kaufmarkt – Vom Problem zur Planung
Der Zulieferverkehr durch die Hermannstraße zum Kaufmarkt ist schon lange für die Anwohner unzumutbar. Die Vorstandsmitglieder sprechen mit den Herren E. und W.S. (Namen gekürzt). Es solle lt. den Kaufmarkt-Chefs alles umgebaut und die Anwohner von Leonhard-Ost vom Verkehr befreit werden. Und für sie werde es auch keine Parkplatzprobleme mehr geben. Warten wir es ab.

Erst angezündet, dann abgerissen
Während das Nachbarhaus 106 hervorragend vom Kulturladen genutzt wird, zerstört man das wertvolle Gebäude Rothenburger Straße 108. Heruntergewirtschaftet, von der Feuerwehr für Löschübungen missbraucht, wird das Gebäude schließlich abgerissen. Ergebnis: Eine schändliche Lücke in einem vorher städtebaulich intakten Ensemble.

Veränderungen
Die Vorsitzenden des Bürgervereins Horst Runge, Ludwig Späte und Horst Hutzler treten zurück. Ein neuer Vorstand wird gebildet.

Ein Platz für Mädchen
Die Projektgruppe Mädchentreff gründet den Verein “für emanzipatorische Mädchenarbeit e.V.”. Der Verein wird gemeinnützig und Träger der Einrichtung in der Wilhelmstraße 17. Am 7. Oktober 1985 wird der Mädchen-Café-Treff – nur für Mädchen! – eröffnet.

Ende des Jahres – Ende eines Industriedenkmals
Zitat aus der Nürnberger Zeitung vom 21.12.1985: “Bagger bedrohen Industriedenkmal”. Ausrein kommerziellen Interessen seitens der Firma Max Bahr Baumärkte Hamburg mit Unterstützung der Stadtverwaltung wird der Abbruch der VDM vorbereitet. Auch der Südwest-Anzeiger (NN) berichtet ausführlich.

1986

Es wird ernst: die VDM fällt
Trotz aller Bemühungen des Bürgervereins St. Leonhard Schweinau e.V., den Abriss zu stoppen, trotz Vorschlägen von drei Nutzungsvarianten für das denkmalgeschützte Gebäude, die Stadt spielt das üble Spiel weiter. Der schmerzliche Verlust des Industriedenkmals VDM wird zum Verlust des Vertrauens in die Stadtverwaltung. Ein perfekt verwalteter Skandal!

Eine Kneipe wird zum Wohn-/Geschäftshaus
Mitglieder des Bürgervereins erwerben das denkmalgeschützte Anwesen Hintere Marktstraße 46, das einst die Gaststätte “Zum Schiff” beherbergte, und bewahren es vor dem Verfall bzw. Abriss.

10 Jahre KuRo
Der Kulturladen Rothenburger Straße 106 (kurz: KuRo) feiert sein 10-jähriges Bestehen. Eine empfehlenswerte Begegnungsstätte für Alt und Jung mit einem vielseitigen Angebot an Aktivitäten. (Anmerkung: mittlerweile umgezogen in die Villa Leon schräg gegenüber, Leonhardspark)

Die Post zieht um
Der Betrieb des Postamtes 179 in der Holzschuherstraße wird in die Schwabacher Straße 75 verlegt. Die Einrichtung der Diensträume, so auch die aus dem Umzugsjahr 1909 stammende Schalterfront wird vom Postmuseum im Verkehrsmuseum übernommen.

Bodenaustausch für Aktivspielplatz
Der Stadtrat beschließt, einen Aktivspielplatz an der Amselstraße zu errichten und die Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt zu übertragen. Bodenuntersuchungen ergeben: zu hohe Blei- und Cadmiumwerte erlauben keinen Spielbetrieb. Der Boden muss zweimal ausgetauscht werden.

Die zweite Umweltdiskussion
Bei der Bürgerversammlung in Schweinau sind neben den Stadträten aller Parteien Vertreter der Firmen Cebal, Mehnert & Veeck, Alcan und Alumetall anwesend. Giftfässer im Freien an der angrenzenden Straße bei Mehnert & Veeck sorgen für Aufregung. Fazit der Umwelt-Diskussion mitden Bürgern: “Es stinkt nach wie vor.”

Parkplatzprobleme durch Wunderland
Versammlung des Bürgervereins in St. Leonhard Nord: Die Kunden der Firma Stereo Wunderland belegen die Parkmöglichkeiten der Anwohner. Verhandlungen für eine Parkplatzvergrößerung seien in Gange, so der Firmenvertreter L. (Name gekürzt). Die 2. Belastung: Durch die Wolgemut-, Rosenplüt- und Holzschuherstraße fahren allein von der Spedition Reiner 450 Fahrzeuge. Eine Zufahrt in der Witschelstraße wäre für Dr. Reiner ideal. Es wird sich was ändern.

Leonhardsplatz in neuem Gewand
Im Nachrichtenblatt 2/86 stellt der Bürgerverein den Plan des “neuen” Leonhardsplatztes vor. Halten wir es mit Rudi Carell: “Lass dich überraschen”.

Keine müde Mark für Elisenstraße 17
Der Besitzer des denkmalgeschützten Hauses Elisenstraße 17 bringt klar zum Ausdruck, dass er in das Gebäude, das einst eine Bleistiftfabrik beherbergte, nichts investieren wird. Der Bürgerverein fordert von den Stadträten und der Stadtverwaltung ein klares NEIN zu den Abbruchbemühungen des Eigentümers. Unser Aufruf erscheint in der Presse: “Stoppt die Abrisswelle hier an dieser Stelle.”

U-Bahn fährt nach Röthenbach
Franz Josef Strauß fährt mit: am 27. September zur Einweihung des U-Bahnhofes in Röthenbach. Die Vollendung des Streckenausbaus Schweinau-Röthenbach nimmt der Bürgerverein St. Leonhard Schweinau zum Anlaß, in Zusammenarbeit mit dem Vorstadtverein Röthenbach ein umfangreiches Sonderheft herauszubringen. Gute Fahrt!

Schweinau – konzetrierte Umweltbelastung
Neben den Bussen des Betriebshofes, die ab 4 Uhr über die Robert-Bosch-Straße und Jäckelstr. fahren und erhebliche Lärm- und Abgasbelästigungen mitsichbringen, belasten die Firmen Bosch,Schulte&Schmidt und Pfister die Umwelt. Was macht die Stadt? Statt Handeln nur Worte.

WAA-Atommüll durch Schweinau
Mit unserem Bericht im Nachrichtenblatt schrecken wir die Bürger auf: Es besteht die Absicht, Atommüll durch unseren Stadtteil zu transportieren.

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