Sparwahn: Mädchentreff fürchtet schleichende Schließung

Seit fast 25 Jahren bietet Mädchentreff e. V. in St. Leonhard eine offene Anlaufstelle für Mädchen jeden Alters. Der Verein betreibt im markanten Sandsteinbau am Leonhardsplatz, dass bis vor einigen Jahren noch mit einem Büro des Bürgervereins geteilt wurde, ein niederschwelliges Angebot, das täglich rund 35 Mädchen annehmen.

Das Mädchentreff am Leonhardsplatz.

Mädchentreff

Im Zuge der Sparpläne der Stadt Nürnberg hat nun das Sozialreferat das Mädchentreff ins Visier genommen und den Plan entwickelt, die Einrichtung teilweise in ein Hort umzuwandeln. Die Pläne zur Umwandlung in ein Hort stellen eine verdeckte Mittelkürzung von 75.000 Euro dar, die durch die Fördergelder für das Hort teilweise ausgeglichen werden sollen.

Während die Leonharder Betroffenen das Thema durchaus konstruktiv diskutieren wollten und hierfür von weiteren Gesprächen ausgingen, wurden sie von der Stadt Nürnberg überrumpelt, die die Umwandlung schon am 22. Oktober 2009  im Jugendhilfeausschuss des Stadtrats auf die Tagesordnung setzte. Nach langer Debatte wurden weitere Gespräche anvisiert, am 6. November erteilte das Mädchentreff den Plänen der Stadt dann eine wütende Absage: “Unsere gewachsene Angebotsstruktur, die wir bisher offen, variabel sowie bedarfs- und zielgruppenorientiert gestaltet haben, möchten wir für die Mädchen in St. Leonhard unbedingt erhalten.”, ferner heißt es im Brief an das Jugendamt: “Für uns als Mädchentreff e. V. ist es unverständlich, dass eine Einrichtung, die seit Jahren ihr Angebot auf den Stadtteil und seine spezifische Zielgruppe ausgerichtet hat, in Zukunft keine ausreichende finanzielle Unterstützung mehr erhalten wird. Ob ein Hort, der sich in finanziell aufwendig umgebauten Räumlichkeiten befindet, die Bedarfslage im sozialen Brennpunkt St. Leonhard adäquat deckt, ist fraglich.”

Hier setzt auch die Kritik des Bürgervereins St. Leonhard / Schweinau an, Vorsitzender Felix Geismann: “Die soziale Schieflage in unseren Stadtteilen wird seit Jahren angeprangert, mit sozialer Stadt und den -längst schon wieder zusammengestutzten- Grundschul-Neubauplänen sollte dann etwas Aufbruchstimmung beschworen werden. Das alles wird doch ad absurdum geführt, wenn zeitgleich wertvolle Einrichtungen wie das Mädchentreff nicht nur finanziell in ihrer Arbeit derart torpediert werden.”

Ferner weist Geismann darauf hin: “Auch die Villa Leon muss Budgetkürzungen hinnehmen um ein Haushaltsloch zu stopfen, das im Kern den Kosten des sog. “kreuzungsfreien” Ausbau des Frankenschnellwegs entspricht, der erneut extreme Belastungen auf die Stadtteile zukommen lässt. Bei soetwas sind Zweifel berechtigt, ob manche Entscheidungsträger in unserer Stadt ehrlich hinter der Aufwertung der Stadtteile stehen.”

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