Brückenschlag mit langer Tradition: Lateinamerikawoche in der Villa Leon

Die Lateinamerikawoche (LAWO) findet heuer zum 32. Mal statt – sie hat eine sehr lange Tradition in Nürnberg. Sie ist als politische Woche positioniert, die von einem Kulturprogramm eingerahmt wird.

Brückenschlagen zu anderen Ländern, deren Geschichte und politischen Situation, zu den Menschen und deren Kultur, ist zentrales Anliegen der interkulturell arbeitenden Villa Leon. Die LAWO ist insofern nicht das einzige Schwerpunktprogramm mit dieser Zielsetzung: inzwischen gibt es zahlreiche Veranstaltungen, wie die Asiatischen Kulturtage im Oktober, dieses Jahr den Afro-Sommer im Juni, die türkisch-deutschen Literaturtage und weitere Veranstaltungen zu türkischer und kurdischer Kultur und Politik und einzelne Länderveranstaltungen zu Vietnam, Indien und vielen anderen Ländern.

Frau Dr. Claudia Lauterbach, Leiterin der Villa Leon, gab uns Informationen zur Entstehung und den Hintergründen der LAWO und beantwortete uns einige Fragen.

Frau Lauterbach:
Die Lateinamerikawoche nahm ihren Anfang in den 1970er Jahren, als mit der “68er” Diskussion die politische Entwicklung Lateinamerikas in Europa und der ganzen Welt bekannt und diskutiert wurde. Ãœberall gründeten sich Solidaritätsbewegungen für die von Militärdiktaturen unterdrückten Menschen in den unterschiedlichsten Ländern Lateinamerikas (El Salvador, Nicaragua, Peru, Bolivien, Uruquay, Paraquay, Brasilien, Chile, Argentinien etc.) – in allen diesen Ländern herrschten in den 1970er/1980er Jahren grausame Militärdiktaturen, Menschen wurden gefoltert und ermordet, Tausende verschwanden. Die Solidaritätsarbeit und Bewegung war der Ursprung der Lateinamerikawoche in Nürnberg. – Heute ist die LAWO als politisch-kulturelle Schwerpunktveranstaltung zu Lateinamerika bundesweit einmalig und bekannt.

BV:
Wie ist die LAWO zu uns nach St. Leonhard in den Stadtteil gekommen?

Frau Lauterbach:
Von Anfang an war die evangelische Kirche (ESG-Evang. Studentengemeinde und andere kirchliche Solidaritätsgruppen), aber auch andere Initiativen und Einrichtungen, wie z.B. der alte Kulturladen Rothenburger Straße (hier v. a. Hans Hunglinger) aktiv in der Lateinamerika Solidaritätsbewegung. Die Lateinamerikawoche  fand immer im Heilig Geist Saal statt (dort war auch die ESG beheimatet und das Gebäude gehörte der evang. Kirche).

Ende der 1990er Jahre wurde klar, dass die evang. Kirche den ganzen Heilig-Geist-Komplex verkaufen muß und der breite Trägerkreis der Lateinamerikawoche ging auf die Suche nach einem anderen Veranstaltungsort für die Lateinamerikawoche.

Hans Hunglinger und ich schlugen dem LAWO Trägerkreis die damals in Planung stehende Villa Leon als einen möglichen Nachfolge – Ort für die Veranstaltungen vor. Der Kooperationskreis der Lateinamerikawoche entschied sich auch für die Villa Leon. Wie sich herausgestellte, war das eine sehr gute Entscheidung, die Villa mit dem Veranstaltungssaal und Foyer bietet ein ideales Forum und eine schöne Atmosphäre und die Lateinamerikawoche wurde Jahr für Jahr ein voller Erfolg mit bis zu 3000 BesucherInnen.

BV:
Die Villa Leon liegt, so schön sie räumlich ist, natürlich etwas abseits zu unseren Stadtteilen. Nachdem wir als Stadtteil eine besonders multikulturelle Prägung haben, ist es uns natürlich ein Anliegen, diese Themen auch noch mehr in den Stadtteil zu tragen, d.h. die Potentiale und besondere Qualität eines interkulturellen Zusammenlebens noch Näher an die hier wohnenden Menschen heranzutragen. Welche Möglichkeiten gibt es hierzu?

Frau Lauterbach:
Ich habe letztes Jahr angefangen, die LAWO in den Stadtteil “hinein zu tragen” durch die mexikanische Puppenspielerin Heike Kammer, die letztes Jahr in den Stadtteilschulen ihre Stücke zur Friedenserziehung vor fast allen SchülerInnen der Grundschulen spielte und dieses Jahr ihr neues Stück in 4 Kindergärten des Stadtteils spielen wird. Auch das große Familienfest, das jedes Jahr am Ende der Lateinamerikawoche stattfindet (“fiesta latina”) wird inzwischen von vielen Stadtteilfamilien besucht.

Inwieweit man die LAWO noch mehr im Stadtteil verankern kann, wäre zu überlegen – nur ist der Zeitpunkt der LAWO leider nicht zu verschieben – traditionell findet die Lateinamerikawoche immer Ende Januar statt.

BV:
Wir würden uns dennoch freuen, wenn es hierzu zukünftig noch weitere Ideen gäbe. Zum Beispiel eignet sich lateinamerikanische Musik besonders auch für “Darbietungen und Tanz” auf der Straße. – Insofern könnte doch in Verbindung mit anderen Interkulturprogrammen auch über Open-Air – Aktivitäten nachgedacht werden, als ein zusätzlicher Veranstaltungshöhepunkt im Sommer. Oder gar über einen Straßenumzug im Stadtteil – ein carnaval do Nuernberg ?

Wir bedanken uns bei Frau Lauterbach sehr herzlich für ihre Informationen.

Besuchen Sie die Lateinamerikawoche, für uns im Stadtteil nur einen kleinen Fußweg entfernt!

Link: www.lateinamerikawoche.de

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