Ausbau des Frankenschnellwegs: Für unsere Stadtteile desaströs!

„Ich komme als ihr Oberbürgermeister um Zumutungen zu verteilen!“ – Wer Gelegenheit hatte unserem OB Maly auf seinen Radtouren durch die Stadtteile zu begegnen, dem wird dieser Ausspruch des OBs wohl bekannt sein. Ginge es um die gleichberechtigte Verteilung von Belastungen auf alle Stadtteile, mit entsprechendem Augenmaß und Rücksichtnahme auf alle Bürger, wäre dem auch nichts entgegenzusetzen: Eine Stadt hat Lasten – diese müssen verteilt werden. Die geplante Verkehrsmaßnahme am Frankenschnellweg zeigt jedoch einmal mehr, dass unsere Stadtteile und Bewohner keine Lobby im Rathaus haben. Für uns gilt einmal mehr: ohne Rücksicht auf uns!

Bereits Norbert Höynck hatte als Vorsitzender des BV in den vergangenen Jahren immer wieder die sehr besorgte Frage gestellt, welche Mehrbelastungen der Ausbau des Frankenschnellwegs gerade für unsere Stadtteile bedeutet. Gestern fand im Baumeisterhaus eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Bürgervereine statt. – Diese für uns alles entscheidende Frage blieb jedoch weiterhin unbeantwortet. Der Bürgerverein wird diese Zahlen nun in Berufung auf das Umweltinformationsgesetz einfordern. Baureferent Hr. Baumann gestern in seiner Einleitung: „Die Maßnahme ist erforderlich um das zukünftig steigende Verkehrsaufkommen zu bewältigen.“

Sollten Sie in der Vorstellung leben, der Ausbau des Frankenschnellwegs bedeute, dass wesentliche, verkehrsführende Straßen nun unter die Erde gelegt werden und damit für alle Zeit verschwinden, sollten Sie sich dringend mit den tatsächlichen Fakten der aktuellen Planung vertraut machen: das genaue Gegenteil ist der Fall !

Tiefergelegt und damit kreuzungsfrei wird alleine die A73, welche dann als durchgängige Autobahn freie Fahrt für den Transitverkehr bietet. Das dies zu einem höheren Durchsatz dieses Transitverkehrs auf der A73 und damit mitten durch unsere innenstadtnahen Stadtteile führt, ist unstrittig. Auch dass die durch das bereits heute bestehende und sich zukünftig verstärkende Verkehrsaufkommen entstehenden Emissionen von Luftschadstoffen (CO2, Feinstaub, sonstige cancerogene Stoffe) dann im Tunnel gesammelt und an den Einfahrten gebündelt ausgestoßen werden, ist selbsterklärend.

Ein weiteres Problem sind Emissionen von Schall. Laut Umfragen des Umweltbundesamts ist die häufigste Störquelle auf das Wohlbefinden von Bewohnern gr0ßer Städte der Straßenverkehrslärm. Dieser führt für die betroffenen Bewohner als Langzeitauswirkung zu Erkrankungen, z.B. des Herz-Kreislauf-Systems, des Magen-Darm-Traktes, des Immunsystems. (Dies gilt auch für Schallimmissionen die unterhalb gesetzlicher Grenzwerte liegen, wenn Wohnquartiere unter einem dauerhaft hohem Grundgeräuschpegel, einem Dauerrauschen, stehen, verursacht durch Dauergeräuschquellen die weiter entfernt liegen und für die Schallschutzwände dort keine Effizienz mehr haben.) Für die direkt an der Autobahn liegenden Wohngebiete in Richtung Fürth werden daher bis zu 8m hohe Schallschutzwände errichtet. Diese Wände sind unverzichtbar um innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte zu bleiben, für Mischgebiete (wie im Wesentlichen vorliegend) gelten jedoch vergleichsweise schlechtere Werte als ausreichend, als sie für reine Wohngebiete gelten. Und auch wenn diese Grenzwerte eingehalten werden, sind diese Belastungen alles andere als wohnqualitätsfördernd und gesund. Und auch die Schutzwände selbst beeinflussen die Wohnqualität der direkten Anlieger nicht zum Vorteil: weniger Licht, unerwünschte Verwerfungen und Reflexionen in den transparenten Bereichen, Luftstau und Zugwirkungen an den Wänden, auch sind sie als km-lange monotone Bauwerke auch begrünt keinesfalls ästhetisch. Wände, die der Stadt zudem in alle Zukunft enorme Unterhaltskosten aufbürden werden, da insbesondere die transparenten Bereiche (mehrere 1.000 qm!) z.B. gereinigt werden müssen. In südlicher Richtung der Autobahn scheinen die Grenzwerte wohl auch ohne weitere Lärmschutzwände, zumindest rechnerisch, einzuhalten zu sein. (Kein Mensch und auch kein Sachverständiger kann mit großer Gewissheit sagen, welche Verkehrsaufkommen und damit welche Schallbelastungen in Zukunft tatsächlich eintreten werden!) Daher müsste die Stadt weitere Maßnahmen aus eigenen Etats bezahlen, die nach gestriger Information im Baumeisterhaus sehr erheblich wären. Insofern möchte die Stadt hierauf gerne verzichten.

Zurück zu unserem Stadtteil:

Da die 4-spurige Autobahn (8 Spuren mit Auf- und Abfahrtsstreifen) im Bereich unseres Stadtteils in wesentlichen Teilen unter der Erde verläuft, sind die Hauptkonsequenzen aus der Autobahn für unseren Stadtteil im Ausstoß der gebündelten Emissionen an den Tunnelein- und –ausfahrten sowie an den Zu- und Abfahrten zu sehen. Hiervon insbesondere betroffen sind auf unserer Seite folglich die Wohnquartiere im Bereich zwischen Holzschuherstraße und Pfinzingstraße, die direkt an einem Tunnellende liegen.

Der wesentlichste Teil des Verkehrsaufkommens wird der Quell- und Zielverkehr sein, so eine weitere Aussage der Verkehrsplaner gestern im Baumeisterhaus.

Zwischen Rothenburger und Schwabacher Straße entsteht daher der wohl größte Verkehrsverteiler – Knoten Nürnbergs, seit Jahrzehnten. Alleine oberirdisch wird das bisherige Straßennetz nochmals nachgebaut und durch weitere Straßen, sowie Zu- und Abfahrten auf die Autobahn noch zusätzlich erweitert! Diese oberirdischen Verkehrsverbindungen werden wie bisher, als konventionelle Ampelkreuzungen gebaut. Für den innerstädtischen Quell- und Zielverkehr gilt daher auch nach der Maßnahme, Stopp-and-go an den Ampelkreuzungen. Durch Öffnen der wesentlichsten Engpässe und weiterer Verbindungsmöglichkeiten wird jedoch die Leistungsfähigkeit und Attraktivität auch der oberirdischen Verkehrsknoten für den Kraftverkehr deutlich erhöht. Damit werden Rothenburger Straße, Schwabacher Straße und Schweinauer Hauptstraße, zu schnelleren und damit stärker befahrbaren Verbindungsachsen der Südwesttangente, des Westrings, der B 14, B 2 und St 2407, mit der A73, dem Plärrer, der Innenstadt und der Südstadt. Alleine der mit 260 Mio. EUR veranschlagte Baukostenetat veranschaulicht, welche Kraftverkehrs – Hochleistungspumpe hier gebaut werden soll.

Für Fuß- und Radfahrer wird es ein deutliches Mehr an durchgängigen Verbindungen geben, es ändert sich jedoch nichts an deren Qualität. Für Fußgänger und Radfahrer, welche die neuen Verbindungen nutzen wollen heißt es dann auch in Zukunft: Abgase inhalieren, sich großem Lärm auszusetzen und sich den Unfallrisiken an Ãœbergängen von stark befahrenen Straßen auszusetzen. – Die Planung hat also nichts übrig, für eine bessere Attraktivität der unbestritten umweltfreundlichsten Individualfortbewegungsmittel, den Füßen und dem Fahrrad. Die starke städtebauliche Trennung unserer Stadtteile von der Innenstadt bleibt einmal mehr unbeachtet und damit ungelöst. Denn dieser könnte nur entgegengewirkt werden, indem die Barrierenwirkung aus Bahntrassen und Hauptverkehrsstraßen verringert würde.

St. Leonhard ist eines der dicht – bewohntesten Stadtgebiete Nürnbergs. Weitere Wohnnutzungen sind entstanden und entstehen noch auf dem ehemaligen Schlachthofareal. Schwabacher und Schweinauer Straße führen zudem durch die “Herzen“ unserer Stadtteile, direkt vorbei z.B. am neu errichteten Kinderspielplatz Amselstraße, direkt vorbei auch am Leonhardsplatz und auch an der Grünanlage Hohe Marter. Auch durch die Rothenburger mit Wallensteinstraße wird noch deutlich mehr Verkehr gepumpt werden, entlang dem Bürgerzentrum Villa Leon mit Außenbereichen, entlang dem Spielplatz Joseph-Carl-Grund-Straße, entlang dem Kindermuseum mit Freibereichen, allesamt zentrale Begegnungs- und Naherholungsinseln innerhalb einer stark verdichteten Stadtstruktur. Gerade der Leonhardsplatz soll Quartierszentrum werden, er wird für das Stadtteilmanagement der Sozialen Stadt – Maßnahme eingerichtet, gerade hier sollen Begegnung- und Integrationsangebote entstehen und angeboten werden. Gerade diese Gebiete wären durch geeignete Verkehrsführung dringend zu schützen!

Die allgemeine Zielsetzung (Zitat des Baureferenten Hr. Baumann gestern) es müsse verhindert werden, dass zukünftige Verkehrsaufkommen unkontrolliert in Wohngebiet einstreuen, bedeutet bezogen auf die Bewohner unserer Stadtteile, dass hier wohl sehr bewusst und damit kontrolliert, zukünftig noch deutlich verstärkt Verkehrsaufkommen eingeleitet werden. Es erklärt sich uns insofern nicht, weshalb die Bewohner in den Bereichen Rothenburger Straße, Konstanzenstraße, Ossietzkystraße, Gernotstraße, Bertha-von-Suttner-Straße, Holzschuherstraße, Pfinzingstraße, Josef-Carl-Grund-Straße, Karl-Doberer-Straße, Schwabacher Straße, Wilhelmstraße, Orffstraße, Geissestraße, Schweinauer Hauptstraße, Olgastraße, etc. weniger schutzbedürftig sind, als Bewohner anderer Straßen und Wohngebiete in Nürnberg. Das uns der Mischgebietscharakter unserer Wohnquartiere hierbei zusätzlich zum Nachteil gereichen soll, lässt die Maßnahme in keinem besseren Licht erscheinen. Auch nicht dass von deutlichen Segregationsprozessen und Fluktuation betroffene, sozialschwache Stadtteile, wie dem unseren, zusätzliche Erschwernisse aufgebürdet werden. – Wir halten Sie weiterhin informiert!

Link: Berichterstattung im Stadtanzeiger: “Tunnel müsste bis zur Gartenstadt gehen”

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